Gebote der Heutrocknung

1. Der größte Teil der Trocknung passiert am Feld.
Beim ersten Schnitt das Futter am Boden zumindest dreimal mit dem Kreiselzettwender bei jeweils abnehmender Drehzahl und zunehmender Schonung bearbeiten. Zwischen Längs- und Querfahrtrichtung wechseln, den Kreisel zum Wenden eher flach einstellen. Vortrocknungszeit: normalerweise ab 24 Stunden. Meist wird am ersten Tag gemäht, am Folgetag spätnachmittags eingefahren.

2. Jede Anlage hat Grenzen.
Das Heu nicht zu feucht oder in zu großen Mengen und immer vor Sonnenuntergang einfahren! Schichthöhe je nach Feuchte, Futterart und Anlagenauslegung max. zwischen 1,5 und 4,5 m. Die erste Schicht sollte mind. 1,5 m hoch sein. Bei Rundballen sollte die Feuchtigkeit 35 % nicht wesentlich übersteigen.

3. Beschickung ist maßgeblich.
Eine Schneideinrichtung mit drei bis sechs (scharfen!) Messern im Ladewagen erleichtert die Verteilung, ist aber bei sehr jungem Futter nicht nötig. Sehr feuchtes Welkheu kann auch mit Dosierwalzen aufgelockert werden. Heu locker und gleichmäßig in der Box verteilen, Lüfter nach etwa ein Meter Schichthöhe einschalten, Entfeuchteranlagen vorerst auf Frischluftbetrieb schalten. Ungleich feuchtes Futter auf der ganzen Fläche durch Rütteln der Greifzange verteilen. Den Heustock nur im Notfall betreten.

4. Bei Rundballen entscheidet das Pressen.
Rundballen aus einem leicht auseinanderliegenden, lockeren Doppelschwad bei geringem Druck und hoher Fahrgeschwindigkeit pressen, sodass sich eine gleichmäßige Dichte der Ballen von innen nach außen, aber auch in Längsrichtung ergibt. Ebenso auf gleichartige Ballen einer Charge achten. Pressdruck je nach Typ bei 60 bis 80 bar, Dichteverteilung gleichmäßig einstellen, nach Bedarf Vordruckspeicher aktivieren oder ausschalten. Pressdichte anhand des Ballengewichts prüfen.

5. Der laufende Betrieb
Bei vorhandener Steuerung je nach Frischgutfeuchte und -menge die Trocknungsdauer wählen. Nach dem Einschalten die Anlage mindestens 24 Stunden durchlaufen lassen. Dabei mehrmals die Temperatur von Heustock und Abluft prüfen und eventuelle Verdichtungsstellen oder Kaminbildungen beobachten.

6. Schlechtwetterprogramm
Bei Schlechtwetter und Kaltbelüftung intervallweise zur Kühlung belüften. Sonst je nach Möglichkeit Warmluftofen, Heizwärmetauscher oder Luftentfeuchter einschalten. Bei Außentemperaturen unter 25 °C Luftentfeuchter besser mit Umluft betreiben. Die Heutemperatur darf 40 °C nie übersteigen!

7. Statischen Druck und Heutemperatur überwachen.
Den Heustock auf zu rasches Absetzen prüfen und den statischen Druck mit einem U-Rohr-Schlauch überwachen. Sehr hoher Druck vermindert den Luftdurchsatz und erhöht die nötige Trocknungszeit. Die Druckkontrolle ist besonders bei älteren Ventilatoren mit geringer Druckreserve wichtig. Auch ein starker Widerstand beim Öffnen der Türe der Lüfterkammer kann auf eine Überlastung der Anlage hinweisen.

8. Kondensationen vermeiden.
Oberflächliche Kondensationen im Frischluftbetrieb durch Abluftöffnungen, im Entfeuchter-Umluftbetrieb durch gute Abluftrückführung oder durch Wärmedämmung vermeiden. Eine Wärmedämmung ist besonders im Entfeuchter-Umluftbetrieb von Vorteil. Auch die Unterschalung einer Dachabsaugung wirkt als Dämmung einer Kondensation im Gebäude entgegen.

9. Alles im Auge behalten.
Ständig die Temperatur von Trockengut, Ab- und Zuluft überwachen. Gegen Trocknungsende eventuell barfuß über das Heu laufen, um Abtrocknung und mögliche Kaminbildung zu prüfen. Anhand der Abluftfeuchtigkeit lässt sich die jeweilige Feuchtigkeit des Heus grob abschätzen.

10. Endkontrolle und Nachbelüften.
Bei bereits geringer Abluftfeuchte oder geringer Temperaturdifferenz (z.B. 2 °C) zwischen Zu- und Abluft auf Intervallbetrieb mit Kaltluft übergehen. Wenn beim Wiedereinschalten nach einigen Stunden Stillstand die Abluftfeuchte unterhalb 50 % liegt, ist normalerweise die Lagerfähigkeit erreicht. Rundballen sind erst dann fertig, wenn sich ein langer Rundstahldorn ohne großen Widerstand von allen Seiten in den Ballen stoßen lässt. Feuchte Stellen sind zäh! Trotzdem ist weiter auf Selbsterwärmung zu prüfen. Bei Bedarf muss nachbelüftet werden.